// „Tante Röschen“: Ein neues Wohn-Modell
Hausgemeinschaft für demenziell veränderte Menschen in Winterberg
Ein Hauch von Prominenz ist eingezogen in das sanierte Haus an der Bahnhofstraße 2 in Winterberg. 1133 gesammelte Tortenplatten, so steht es auf einer Urkunde in der Vitrine, sind nicht nur eine Meisterleistung, sie sind Weltrekord. Und so wird die im „Guinness Buch der Rekorde" verewigte Mitbewohnerin im Haus „Tante Röschen“ zu einem wunderbaren Beispiel für die Vielfalt an Erfahrungen und Lebensgeschichten, die die neuen Wohngemeinschaften für demenziell veränderte Menschen prägen soll.
Deutschland wird alter, dies ist wohl kein Geheimnis mehr, und die Gesellschaft ist gefordert, sich darauf einzustellen.
Das gilt auch für das Thema Demenz. Rund 1,2 Millionen Menschen leiden in Deutschland an dieser Krankheit. Tendenz steigend. Studien zufolge werden es 2030 rund 2,5 Millionen Menschen sein. Grund genug also, sich auch über künftige Wohn- und Pflegemodelle Gedanken zu machen.
Im Zentrum Winterbergs hat die ALTER-nativ Wohnen GmbH & Co. KG (ANW) mit dem für rund 750 000 Euro umgebauten Haus „Tante Röschen“ ein im Hochsauerland neues Modell umgesetzt. Auf 600 Quadratmetern können bis zu 17 Menschen in zwei Wohngemeinschaften zusammen leben. Jeder Mitbewohner hat sein eigenes Zimmer, zudem gibt es Gemeinschaftsräume für den Alltag in der „künstlichen Großfamilie“, wie ANW-Geschäftsführer Dirk Bohlmann es beschreibt.
Fünf Menschen sind mittlerweile eingezogen oder werden in Kürze ihre Zimmer, die sie mit persönlichen Gegenstände selbst einrichten können, beziehen. Um die Pflege und Fürsorge kümmert sich ein ambulanter Pflegedienst, der von den WG-Bewohnern selbst gewählt werden kann. Denn die ANW ist nur Vermieterin der Räume, mit der Pflegeversorgung hat das Unternehmen nichts zu tun, darum kümmern sich die Bewohner mit ihren Angehörigen selbst. Damit fällt das Projekt „Tante Röschen“ auch nicht unter das Wohn- und Teilhabergesetz.
„Unser Konzept sieht vor, den Bewohnern ihre individuellen Lebensweisen zu belassen. Es gibt keine festen Strukturen, das Konzept passt sich den Menschen an. Die Bewohner helfen im Alltag soweit mit wie sie können“, sagt Dirk Bohlmann. So zählt zum Beispiel der gemeinsame Einkauf mit dem Pflegepersonal zum Alltag, aber auch ganz normale Hausarbeiten gehören dazu. So lange so selbstständig wie möglich bleiben lautet die Devise. So sollen auch die Angehörigen entlastet werden. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den Heimen, wir sind einfach eine Alternative. Die Lage in Winterberg ist aufgrund der Nähe zu Ärzten sowie zu Einkaufsmöglichkeiten einfach optimal“, betonen Dirk Bohlmann und ANW- Gesellschafter Bernd Ludwig.
Rein finanziell steht das Projekt auf drei Säulen. So müssen die Miete, die je nach Zimmergröße zwischen 250 und 350 Euro beträgt, die Pflege je nach Aufwand und ein Haushaltsgeld über 150 bis 200 Euro bezahlt werden. Unter dem Strich, so Dirk Bohlmann, sei der finanzielle Auf#wand in der Regel mit regulären Leistungen des Sozialsystems zu finanzieren.
Für Bürgermeister Werner Eickler ist das Haus sogar „ein Starter- und Image-Projekt und ein konkretes Ergebnis unseres vor drei Jahren eingeläuteten demographischen Prozesses“. Stadtmarketing- Chef Michael Beckmann sieht noch einen weiteren Vorteil. Durch das komplett sanierte Gebäude erhalte die Altstadt ein attraktives Eingangs-Portal und die Altstadt werde zudem wieder belebt.
Ein Anfang für die nötige Vielfalt
Das Projekt „Tante Röschen" ist für Winterberg ein Gewinn. Nicht, weil die heimischen Seniorenheime etwa schlechte Arbeit leisten würden. Im Gegenteil, auch dort wird qualitativ hochwertig und engagiert gearbeitet. Doch im Zuge des demographischen Wandels braucht es in Zukunft ein vielfältigeres Angebot für die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen und Angehörigen. Egal, für welche Alternative sich man(n) oder Frau im Fall der Fälle auch immer entscheiden, das neue Angebot in Winterberg ist tatsächlich ein vielversprechender Anfang für diese notwendige Vielfalt.
Unser Online PR-Portal für Pressemitteilungen und Social Media News.



